
Viele Armenier in Aleppo
Die meisten syrischen Armenier leben in Aleppo, während die Hauptstadt Damaskus eine kleinere Gemeinde hat. Der erste offizielle armenisch-katholische Prälat in Aleppo war Bischof Abraham Ardzivian (1710–1740). Die armenisch-katholische Gemeinschaft in Aleppo zählt rund 15 000 Gläubige.
Die "Zvartnotz"-Schule
Die "Zvartnotz"-Schule (arabisch "Sayedet Al Farah"-school) ist seit Anfang der 1970er-Jahre eine wichtige Institution für die armenische Gemeinschaft, denn sie trägt dazu bei, dass auch die jüngeren Generationen ihre Wurzeln kennen lernen und damit Kultur und Sprache bewahrt werden.
1967 wurden von der sozialistischen syrischen Regierung jene katholischen Schulen beschlagnahmt, die sich weigerten, den neuen Lehrplan anzunehmen, der anstelle von Französisch die Einführung der arabischen Sprache vorsah. Das Generalsekretariat der katholischen Schulen lehnte diesen Lehrplan als nicht konform mit ihrem Bildungsauftrag ab. Als Folge verschwanden die meisten katholischen Schulen. Einzig die armenische Schule akzeptierte den staatlichen Lehrplan und konnte somit gerettet werden. Heute erlaubt die syrische Regierung in den armenischen Schulen den Unterricht der armenischen Sprache und der Kultur als Zusatzaktivität.
400 Schülerinnen und Schüler
Drei Schwestern aus einem Armenischen Orden und dreissig Lehrpersonen kümmern sich in der "Zvartnotz"-Schule um 400 Schülerinnen und Schüler (Vorkindergarten bis 9. Schuljahr). Die Hälfte der Kinder und Jugendlichen stammt aus Familien mit niedrigem Einkommen. Die jährlichen Schulgebühren betragen 500 Dollar, darin sind auch die Kosten für Bücher und Schuluniform enthalten.
Um die fehlenden Einnahmen zu decken, organisiert die Schulleitung verschiedene Anlässe (Konzerte, Theater, armenische Abendveranstaltungen für Familien) oder sammelt Spenden bei besser situierten Familien. Deshalb kann sich die Schule über Wasser halten und weist eine ausgeglichene Jahresrechnung aus.
Für das Schuljahr 2011/2012 stellt die syrische Regierung neue Auflagen für den Betrieb des Schulunterrichts. So muss die Schule unter anderem neu über Computer und einen Projektor verfügen. Seit Gründung der Armenischen Schule im Jahre 1973 wurden keine grösseren Renovationen und Investitionen vorgenommen. Doch jetzt benötigt sie für die zwölf Klassenräume wirklich neue Pulte und Stühle.

Antrag der Pontifical Mission
Die Pontifical Mission in Beirut hat uns im Namen der Schule den Antrag gestellt, fünf der Schulzimmer mit 150 Pulten und Stühlen und je einem Computer auszustatten, dazu den Projektor für die Schule. Die Gesamtkosten betragen 15 000 Dollar.
Schwere innenpolitische Krise
Syrien befindet sich in einer innenpolitischen Krise. Waren die Proteste anfangs Februar noch durch Facebook geprägt und organisiert, entstand Mitte März im weitgehend konservativ-sunnitischen Brennpunkt Daraa eine gesichtslose Opposition. Von dort aus verbreiteten sich die Demonstrationen in den kurdischen Nordosten, in die Küstenstadt Latakia und die sunnitischen Hochburgen Hama und Homs, nach Aleppo und in die Vororte von Damaskus. Die Regierung verkündete einerseits Reformen, griff anderseits mit eiserner Faust durch und verhaftete Hunderte von Männern. Dabei scheuen sie auch nicht davor zurück, Wasser und Strom abzuschalten, um die rebellischen Gebiete kontrollieren zu können. Berichte aus Syrien können derzeit nicht unabhängig überprüft werden. Analysten warnen, dass die jüngsten Ereignisse auch die Wirtschaft des Landes verändern werden, dass der Tourismus und das Finanzwesen gefährdet sind und die für das Wirtschaftswachstum notwendigen ausländischen Investitionen zurückgehen könnten.
Zurückhaltende Kirchen
Die anhaltenden Turbulenzen bedeuten für die Christen in Syrien eine ungewisse Zukunft; auch für Hundertausende von assyrisch-chaldäischen Flüchtlingen aus dem Irak, die tief besorgt sind, dass sie darunter leiden würden, wenn das Regime fallen sollte. Aus Angst vor einer Verschlimmerung der Lage verhalten sich die Kirchen still inmitten der Proteste gegen die Regierung.
Liebe Spenderinnen und Spender, wir hätten Ihnen gerne einige Fotos von der Armenischen Schule "Zvartnotz" gezeigt. Leider ist ein Austausch aufgrund der aktuellen Situation nicht möglich. Wir bitten Sie gleichwohl um Unterstützung dieses Projekts. Die Schülerinnen und Schüler danken Ihnen ganz herzlich.
Projekte - Syrien
- Syrien: Armenische Schule "Zvartnotz" in Aleppo
- Shahba: Foyer für junge Frauen - Ausbildung in Südsyrien
Syrien: Armenische Schule "Zvartnotz" in Aleppo
Shahba: Foyer für junge Frauen - Ausbildung in Südsyrien
In der Vulkanebene des Hauran, südlich von Damaskus, fehlt eine nachhaltige wirtschaftliche Perspektive. Die damit zusammenhängenden Probleme sind im ländlichen Syrien nur allzu bekannt: eine unzureichende Wasserversorgung, Mangel an moderner landwirtschaftlicher Ausrüstung und eine begrenzte Auswahl von Getreidesorten, die auf dem üppigen vulkanischen Boden, aber zugleich bei dem rauen Klima der Region gedeihen können. Erzbischof Boulos Borkhoche leitet seit 1983 die Eparchie von Bosra, Hauran und Jabal al Arab, das ärmste Bistum in der griechisch-katholisch melkitischen Kirche. Der bald 77-Jährige gehört dem Orden der Missionare vom Hl. Paulus mit Sitz in Harissa, Libanon an. Er glaubt, dass die Entwicklung der Landwirtschaft der Schlüssel zur Belebung der Wirtschaft sei. Der armen Region mangelt es an Wasser. So lässt er Brunnen bohren, sodass Mais, Weizen, Oliven, Trauben, Tomaten, Gurken und Zucchini bewässert werden können, vor allem aber auch Karotten, welche sogar exportiert werden. Unter dem Erzbischof sind auch mehr als 800 Apfel- und Olivenbäume gepflanzt worden, die nur wenig Wasser benötigen. Dies ist umso wichtiger, als es in den letzten Jahren nicht mehr viel geregnet hat. Der "grüne Bischof" unterstützt aber auch die Armen und versorgt die Bedürftigen mit Medikamenten.
Der Schweizerische Heiligland-Verein (SHLV) unterstützt seit vielen Jahren die Eparchie von Bosra, Hauran und Jabal al Arab. Wir kennen Bischof Boulos (Paul) Borkhoche persönlich von unseren Besuchen und arbeiten gerne mit ihm zusammen.

Einmal vertraute er uns schmunzelnd an, "dass die göttliche Vorsehung wollte, dass ich der Diener der armen Gläubigen der ärmsten Eparchie der Ostkirche sein darf".
Foyer für junge Frauen
Der SHLV hat in Shahba den Bau des Pfarreizentrums ermöglicht. Das Haus ist nun in Betrieb und offen für verschiedenste Belange. Es hat darin einen Pfarreisaal, ein Katechetisches Zentrum, eine Schneiderei mit Coiffeursalon für junge Frauen, eine Wohnung für den Seelsorger und seine Familie und ein Besuchszimmer. Dazu kommen Büros und Archive für die Administration der Diözese. Die Räume werden genutzt von Jugendgruppen und von Schulkindern für ihre Sommer-Feriencamps, für Sport und Ausflüge, dann auch für die Erwachsenenbildung sowie für Feste und Essen (Taufe, Erstkommunion, Hochzeit, Familientreffen, Beerdigungen).

Nun hat unser GV-Gast von den Behörden die Genehmigung erhalten, dieses Pfarreizentrum um eine Etage aufzustocken. Er möchte ein Foyer für junge Frauen, vor allem Studentinnen und Krankenschwestern, errichten. Die meisten dieser Mädchen und jungen Frauen kommen aus Dörfern. Die Verkehrs-Infrastruktur ist bescheiden, und sie haben zum Teil lange und vor allem im Winter äusserst beschwerliche Anfahrtswege. Das Wohnen im Foyer ermöglicht ihnen ein sicheres Studieren und Wohnen ausserhalb ihrer Familien. Es gibt ihnen Schutz und Geborgenheit, zudem finden sie darin Gemeinschaft und ein Zuhause. In den arabischen Familien leben Mädchen und Frauen traditionell in einem behüteten Rahmen. Deshalb ist den Frauen ohne eine sichere Unterbringungsmöglichkeit bei Familienangehörigen oder eben in einem Foyer ein auswärtiges Studium oder eine Ausbildung fast nicht möglich, auch das Arbeiten wird erschwert.
Das Foyer bietet Unterkunft für 25 Frauen. Die Mehrbetten-Zimmer werden einfach, aber praktisch möbliert mit Wandschrank, Tisch und Dusche/WC. In der Gemeinschaftsküche können sie sich selber verpflegen, dazu gibt es einen Wohn- und Aufenthaltsraum. Zur alleinigen Benützung der Frauen wird ein Lift eingebaut, sodass sie sich von unerwünschten Besuchen sicher wissen.
Die Kosten für die Aufstockung des Pfarreizentrums in Shahba belaufen sich auf Euro 91’580. Wir freuen uns, dieses Bauvorhaben unterstützen zu dürfen. Damit tragen wir bei, dass mehr junge Frauen eine Ausbildung oder ein Studium machen und auch arbeiten können. Erzbischof Boulos Borkhoche ist dies ein grosses Anliegen.
Die jungen Frauen und ihre Familien, aber auch wir danken Ihnen ganz herzlich für Ihre Unterstützung unserer Herbstaktion 2009.



